© richter + schwartzkopff    2011

Bretagne oder
Aremorica (Meerland) 1977

Fotodokument / Reisereportage
“Windgebildet”

ist die Landschaft. Mit turmhohen Wolkenmassen, die der Wind über den Himmel jagt, der morgens immer wolkenverhangen und später gegen Mittag mit blitzschnellen Lichteinfällen überraschte.

Tagebuchnotitzen Sommer 1977:
Die Luft schmeckte nach Wassereis aus der Tiefkühltruhe. Weißkrustige, salzige Regentränen klebten auf der Haut, im wirren Haar, das immerzu zerzaust über die Augen fiel, die wie hypnotisiert in den Sucher der Kamera starrten.
Menschenleer war der Strand, waren die mit Steinwällen umfriedeten Dorfflecken. Nur die Alten -, Katzen und Hunde waren noch da. Der Wind verschluckte das Klappern der Fensterläden, die gegen zerborstenes, blindes Glas schlugen, den Blick in verlassene Räume wiedergaben, in denen nun die Schatten hausten.
Wir waren jung und neugierig. Betrachteten arglos die schmiedeeisernen Kreuze, die Golgathahügel und Gebeinhäuser auf den Friedhöfen, die sich eng an geduckte Kirchen schmiegten. Rosa und weiße, mannshohe Hortensiensträucher wucherten an den aus Felsgestein errichteten Mauern.
... Uns gehörten all die unendlichen Augenblicke, die die Kamera mit einem leisen Klick einfing und auf Celluloid bannte. Ja, wir wollten nichts weniger als die Seele dieser Landschaft einfangen und mit ins Labor nehmen. Es war jener Sommer, in dem kurze Zeit danach ein tonnenschwerer Öltanker an der Küste zerbarst.