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Von Gehirnen und Agenten, Träumen und Realitäten, Erinnerungen und Projektionen, Schwarmverhalten und Netzwerken


(Usch Kiausch, 5.11.2010)

 

Die amerikanische

Dichterin Emily Dickinson

thematisierte das seltsame Verhältnis zwischen dem kleinen Inneren unseres Gehirns und seiner riesigen Projektionsfläche in folgendem Gedicht:

The Brain is wider than the sky
For – put them side by side -
The one the other will contain
With ease – and You – beside -
The Brain is deeper than the sea -
For – hold them – Blue to Blue -
The one the other will absorb -
As Sponges – Buckets do.

 

Dschuang Dschou

(gest. 275 v. Chr.) ist einer der Väter des Taoismus. Hier seine vielzitierte Schmetterlingsparabel zur Frage unserer Realitätswahrnehmung:

 

Chuang-tzu träumte einmal, er sei ein Schmetterling. In glücklicher Selbstzufriedenheit gaukelte und flatterte er umher und tat einfach das, was ihm gefiel. Und er wusste nicht, dass er Chuang-tzu war.
Plötzlich erwachte er aus seinem Traum und schau – da war er wieder er selbst: echt und unverkennbar Chuang-tzu.
Aber dann wurde er sehr nachdenklich. Er wusste mit einem Male nicht mehr, ob er nun Chuang-tzu war, der eben träumte ein Schmetterling zu sein, oder ob er vielleicht ein Schmetterling war, der träumte, Chuang-tzu zu sein.

 

Und das schreibt der britische Science Fiction-Autor Brian Aldiss

viele Jahrhunderte später zur Realitätswahrnehmung:
"Wenn Sie wie ein Mensch denken und fühlen, wenn Sie angerührt sein können vom Anblick einer Landschaft, wenn Ihr Geist und Ihr Körper auf den Moment der Dämmerung reagiert, an dem es weder Tag noch Nacht zu sein scheint – dann könnten Sie immer noch eine Maschine sein, so programmiert, dass Sie denken, Sie seien ein Mensch."

Das Gehirn als Agenten-Gemeinschaft nach Marvin Minsky:


Minskys Kernthese zum menschlichen Gehirn ist, dass unintelligente, einfache Bausteine, Agenten, durch Interaktionen Komplexität aufbauen können. Er beschreibt, wie verschiedene Interaktionen, die einer spezifischen Problemlösung zugeordnet sind, als "Agentengemeinschaften" aufgefasst werden können ("Society of the Mind"). Diese Theorie betrachtet die menschliche Psyche und jedes andere natürlich entstandene kognitive System als eine große Anzahl (society) einzelner simpler Prozesse, die Minsky "Agenten" nennt.

Peter Sanftmann:

Entsteht Schönheit erst im Gehirn des Betrachters?

"Zum einen hat die gemeinsame Aktivierung von Neuronengruppen in der Inselrinde eine Schlüsselposition bei der Schönheitsempfindung in Abhängigkeit von "objektiven" Schönheitskriterien." (Etwa der "Goldene Schnitt" in der Kunst, U.K.) "Die zweite Art der Schönheitsempfindung basiert hingegen auf der Aktivierung von einem anderen Gehirnareal, dem Mandelkern. Diese Empfindungsart hängt mit den eigenen emotionalen Erfahrungen zusammen und verkörpert das "subjektive" Schönheitsempfinden. Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass sowohl die objektiven als auch die subjektiven Faktoren eine wichtige Rolle spielen bei der Beurteilung der Schönheitsempfindung bei einem Kunstwerk, wobei die subjektiven Faktoren von den eigenen emotionalen Erfahrungen abhängen."

Gedächtnis-Entstehung erstmals ´fotografiert`


(Meldung "SpektrumTicker" am 19.11.1999)

Erinnerungen (aus "Wikipedia"):


Erinnerungen stammen aus dem sequenziellen Langzeitgedächtnis(…) Erinnerungen sind meist multimedial: Sie enthalten bildhafte Elemente, Szenen, die wie ein Film ablaufen, Geräusche und Klangfarben, oft auch Gerüche und vor allem Gefühle.

Erinnerung, aus dem Hörspiel "Alice"

von Elvira Richter:
"Erinnerung, um nicht zu vergessen – ersetzt durch sichern und löschen. Effizienz ist gefragt."

Der Informatiker

Raymond Kurzweil

zum echten und simulierten Bewusstsein:
"Wenn man unter simulierter Intelligenz eine Kopie aller wichtigen Prozesse versteht, die im menschlichen Gehirn stattfinden (…), dann gibt es keinen Unterschied zwischen echter und simulierter Intelligenz (…) Doch an welchem Punkt halten wir diese Prozesse für bewusst? Hat ein Wesen Bewusstsein, wenn es ein individuelles Erleben hat?"

Postulat des

Alan Turing

(grundlegender Theoretiker der Informatik, 1912-1954):
"Man sollte Maschinen als soziale Wesen betrachten"

Der Gehirnforscher

Prof. Klaus Mainzer

über die Evolution virtueller Agenten:
"Auch die menschliche Gesellschaft lässt sich als ein vernetzter Superorganismus verstehen. Mit seinen technischen Computer- und Informationssystemen wird er die Fähigkeiten des einzelnen Individuums in vielen Bereichen überflügeln und eine neue kollektive Intelligenz entwickeln. Internet und WorldWideWeb sind nur der Einstieg in die digitale Evolution digitaler Netzwelten. Mit deren wachsender Komplexität werden virtuelle Agenten für das Netzmanagement ebenso unverzichtbar sein wie mikrobielle Organismen für die Lebensfähigkeit des menschlichen Körpers."

Kollektive Intelligenz und Schwarmverhalten:


Schwärme sind anonyme Verbände mit großer Individuenzahl. Funktionen: Schutz vor und Abschreckung von Feinden, gegenseitige Warnung, effektivere Nahrungssuche. Eigenschaften: keine feste räumliche Position, keine feste Gruppenhierarchie, Organisation wie ein Netzwerk, zielgerichtete Bewegung. Die chaotischen Einzelbewegungen gleichen sich im statistischen Mittel aus. Computerprogramme können diese Prinzipien der Selbstorganisation simulieren. (U.K.)